In Kolumbien findet eine Tomatenschlacht mit ca. zehn Tonnen Tomaten statt, an der 500 Menschen teilnehmen

Bild: AFP

Äthiopien

Viereinhalb Millionen leiden unter Hungersnot

Hohe Lebensmittelpreise und Dürre führen vor allem im Süden Äthiopiens zu einer Hungerkatastrophe. Der Leiter des äthiopischen Katastrophenschutzes betont die Hilfsbedürftigkeit der Bevölkerung. Laut UNICEF erinnert die Versorgungslage mit Lebensmitteln an das Katastrophenjahr 2003.

Usheto Bariso rollt sich im heißen Äthiopien in eine Decke ein, denn ihm ist ständig kalt. Er ist 55 Jahre alt, wiegt aber nur 33 Kilogramm. Die anhaltende Dürre und die weltweit steigenden Lebensmittelpreise haben im Süden des Landes zu einer Hungersnot geführt. Die Lage hat sich derart zugespitzt, dass neben Kleinkindern auch immer mehr Jugendliche und Erwachsene gefährlich unterernährt sind.

„Wenn Erwachsene in einem solchen Zustand sind, bedeutet das, dass die Lage sehr ernst ist“, sagt die Krankenschwester Mieke Steenssens von der Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF). Die bislang schlimmste Hungersnot in Äthiopien hat 1984 rund eine Million Menschen das Leben gekostet. Im Jahr 2000 waren zehn Millionen Menschen auf Lebensmittelhilfe angewiesen, drei Jahre später waren es sogar 13,2 Millionen.

Die Dürre in diesem Jahr hält weiter an, die Getreidespeicher sind leer. „Wir können es kaum bewältigen“, sagt Margaret Aguirre, eine Sprecherin der US-Hilfsorganisation International Medical Corps (IMC). „Es gibt nicht genügend Lebensmittel, und alle haben Hunger.“ Auch die älteren Kinder seien nun hilfsbedürftig, obwohl sie solche Krisen eigentlich durchstehen müssten.

4,5 Millionen brauchen dringend Nahrung

Insgesamt sind in diesem Jahr laut Regierung rund viereinhalb Millionen Menschen vom Hunger bedroht und brauchen dringend Hilfe. Die Situation sei aber „unter Kontrolle“, erklärt der Leiter des äthiopischen Katastrophenschutzes, Simon Mechale. UNICEF bezeichnet die gegenwärtige Lebensmittelknappheit als die schlimmste seit dem Katastrophenjahr 2003. Dürren sind für Äthiopien besonders verheerend: Vier Fünftel der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft.

Das Ausmaß der Katastrophe zeigt sich während der Verteilung von Hilfsgütern in einem Dorf rund 250 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Addis Abeba. Für mehr als 4.000 Menschen gibt es hier nur 1.300 Rationen. Mütter halten ihre ausgemergelten Kleinkinder verzweifelt in die Luft, um zum Zug zu kommen.

Ukume Dubancho ist eine von ihnen. Sie schüttelt ihren vier Monate alten Sohn, der an ihrer Brust nuckelt, um wenigsten ein paar Tropfen Milch zu bekommen. „Ich bin so schwach, ich kann kaum laufen“, sagt Ukume. Auch ihr vierjähriger Sohn zeigt deutliche Anzeichen von Mangelernährung. Auf dem Markt gibt es zwar noch Maiskolben zu kaufen, aber sie kosten mittlerweile umgerechnet sieben Cent. Im vergangenen Jahr, als die Ernten gut waren, gab es für den gleichen Preis noch sechs bis sieben Stück.

Äthiopien leidet auch unter den Auswirkungen der weltweit gestiegenen Lebensmittelpreise. Als Gründe sehen Experten eine höhere Nachfrage, die Verwendung landwirtschaftlicher Rohstoffe zur Produktion von Biosprit, gestiegene Ölpreise, Subventionen und Handelshemmnisse sowie Spekulationsgeschäfte. Schwer ins Gewicht fallen die sträflich vernachlässigten Investitionen in die Landwirtschaft der Entwicklungsländer. Deren Produktivität ist zu gering und die Wetteranfälligkeit zu hoch.

Nur eine Mahlzeit pro Tag
Der sechsjährige Tariken Lakamu muss seit drei Monaten von einer Mahlzeit am Tag leben, sagt seine Mutter Ayelech Daka. „Er ist jetzt nur noch Haut und Knochen.“ Inzwischen müsse er sich bei der geringsten Nahrungsaufnahme übergeben, sagt sie. „Ich bin schwach“, sagt der spindeldürre Kleine.

Äthiopien bekommt so viel Nahrungsmittelhilfe wie kaum ein anderes Land. Allein die USA spendeten im vergangenen Jahr 300 Millionen Dollar. Doch die bisher zugesagten Hilfsgelder werden in diesem Jahr wegen der Dürre nicht ausreichen, warnen die Vereinten Nationen (UN). „Das Welternährungsprogramm (WFP) gibt in Äthiopien zusammen mit anderen Hilfsorganisationen bereits acht Millionen Menschen Lebensmittel. Aber wir müssen das wohl erhöhen“, sagt der UN-Koordinator für humanitäre Einsätze, John Holmes.

Quelle: focus.de



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